Seit 20 Jahren Leader der "Bucktowns"
Harry Vonarburg aus Gutenswil hat sich seit einem halben
Jahrhundert dem Jazz verschrieben. Vor zwanzig Jahren wäre die Bucktown Jazzband beinahe aufgelöst worden -
hätte sich Harry Vonarburg, der damals bereits sechs Jahre Mitglied war, nicht flugs entschlossen,
die Band selber weiterzuführen. Dies tut er erfolgreich bis zum heutigen Tag.
Die Bucktown Jazzband, welche in der schweizerischen Jazzszene seit Jahren ihren festen Platz hat,
versteht es immer wieder, ihre Fans und Zuhörer davon zu überzeugen, dass man Oldtime-Jazz - mit
viel Feeling und Können vorgetragen - stets in lustiger, gemütlicher und entspannter Atmosphäre
geniessen kann. Für Harry Vonarburg, Leader und Manager der Formation, ist dieser Satz aus einer
Musikkritik charakteristisch für die Bucktowns: Sie wollen guten Jazz bieten, daneben aber auch das
Showelement in ihre Konzerte bringen.
Das Publikum mit einbeziehen
Das ist dem passionierten Jazzer Harry Vonarburg ganz wichtig, wie er betont.
Das heutige Publikum verlange nicht nur reine musikalische Unterhaltung, sondern wolle mit Sprüchen,
Gags und Showeinlagen einbezogen werden. Ihm liege das, beteuert der charmante und verschmitzte
Klarinettist - und man glaubt es ihm.
"Wir spielen heute nicht nur ausschliesslich, echten Jazz, sondern haben auch einige kommerzielle
Titel wie z.B. I left my heart in San Francisco, Bel ami, Schöner Gigolo usw. in unserem Repertoire,
die beim Publikum immer wieder sehr gut ankommen", beantwortet die Jazzlegende die Frage nach der
Ausrichtung der Band.
Hat es ihn nie gereizt, seine Lieblingsbeschäftigung zum Beruf zu machen?
Vonarburg schüttelt den Kopf. In Düsseldorf sei einmal die Chance geboten worden. Aber da habe
er seine heutige Frau Sonja kennen gelernt und deshalb diesen Schritt nicht tun wollen: "Ich
habe mich für meine Frau entschieden und es nie bereut", resümiert er. Mit ihr zusammen hat er
zwei Töchter grossgezogen. Das Paar lebt seit 25 Jahren in der Volketswiler Aussenwacht Gutenswil.
Zufällig zur Klarinette
Bevor Harry seine Liebe zur Klarinette entdeckte, spielte er mehrere Jahre Gitarre.
Der ehemalige Geschäftsinhaber fand dann fast zufällig zu seinem Hauptinstrument, der Klarinette, wie er
erzählt. Ein älterer Cousin, der im selben Haus wohnte, besass eine. Aus "Gwunder" habe er sie heimlich
ausprobiert und dabei aber zum Leidwesen des Cousins aus Unkenntnis jedes Mal das Rohrblatt kaputt gemacht,
was natürlich bemerkt worden sei. Harry hat nun sein Instrument entdeckt und auf seinen Wunsch hin lernte
ihn sein Cousin das Instrument richtig spielen.
Harry Vonarburg war bereits in den 50er Jahren in der Schweizer Jazzszene aktiv,
und zwar mit der berühmten Hausband des legendären Basin-Street-Club in Zürich. Dort bekam er
Gelegenheit unter anderem mit Jazzgrössen wie Albert Nicholas, Lionel Hampton, Hazy Osterwald
und den Tremble Kids zu jazzen. Nach einigen Jahren Dixieland wechselte er zum Swing-Stil. Von
1958 bis 1960 belegte der Altmeister an den Zürcher Jazzfestivals hintereinander den vierten ,
ersten und zweiten Rang für Klarinette im modernen Stil. Auf die früheren Jazzfestivals angesprochen,
weiss er eine Anekdote: Ein einziges Mal seien sie als Band spasseshalber verkleidet aufgetreten,
was die Jury nicht goutierte. Vielmehr habe man ihm klar gemacht, dass der Anlass kein Klamauk sei
und sie in dieser Aufmachung nicht mehr geduldet würden. Eine Aufzeichnung bei der damaligen
Wochenschau und riesiger Erfolg beim Publikum entschädigte die Band dafür, dass sie dadurch
ausser Konkurrenz auftreten musste.
Jede Woche ein Engagement
Als wäre der Bandleader nicht genug beschäftigt mit den fast wöchentlichen
Auftritten der Bucktown, wirkt er aushilfsweise auch noch in diversen anderen Bands der aktuellen
Jazzszene mit. "Ich möchte noch lange nicht aufhören müssen", wünscht sich der Vollblutmusiker
und Showman. Und er berichtet von Interviews im Radio, von Auftritten im In- und Ausland und von
Schallplatten und Kassettenproduktionen. Die neueste Aufnahme, die CD "Power Jazz 2000", zeigt
einen gelungenen Querschnitt ihres Repertoires.
Harry Vonarburg fand 1974 zur Bucktown Jazzband, der er bis heute treu
geblieben ist und die er seit 20 Jahren leitet. Ausser Klarinette spielt er übrigens auch Saxophon
und singt. Seit acht Jahren spielt die Band in der heutigen aktuellen Besetzung. Ein von der Band
oft gespielter Titel: "As long as I live" charakterisiert treffend die musikalische Einstellung
des sympathischen Bandleaders
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